Das HOLZ-Element: Frühling in der TCM

Die Wandlungsphase HOLZ: Frühlingsbeginn am 15. Februar

Shiatsu Wien - Darstellung der 5 Elemente - Wandlungsphase Holz

Nach unserer westlichen Zeit- und Saisonrechnung beginnt der Frühling mit dem 21. März. Nicht so in der Naturkalenderdarstellung des Jahresablaufes in der Lehre der Traditionellen Chinesischen Medizin. Bereits vor über 2000 Jahren haben die guten alten Daoisten aufgrund ihrer eingehenden Naturbeobachtungen den Kreislauf der Jahreszeiten in den sogenannten Fünf Wandlungsphasen festgehalten und dargestellt. Demnach macht jede Jahreszeit 73 Tage aus, und umfasst 36 Tage vor und nach dem uns bekannten Saisonbeginn. Somit beginnt der Frühling um den 15. Februar (in China feiert man zu diesem Zeitpunkt den Neujahrsbeginn) und hat am 21. März bereits seinen Höhepunkt erreicht, jener Tag im Jahresablauf, an dem vom Sonnenlauf her gesehen ja die Tag-/Nachtgleiche stattfindet. Er endet bereits wieder um den 28. April. Zwischen den Saisonen liegen immer 18 Tage, die als sogenannte „Dojo“-Zeit die Übergangsphase von der einen in die nächste Jahreszeit darstellen, eine Phase, die es uns und den Pflanzen und Lebewesen in der Natur möglich machen soll, sich auf die kommende Jahreszeit vorzubereiten.

Der Frühling hat längst begonnen …

Wer genau in die uns umgebende Natur hinschaut und auch hinhört, wird ehrlicherweise feststellen, dass dem so ist (auch wenn uns draußen oft noch die immer wieder auftauchende Kälte des Winters mit durchaus heftigen Schneeschauern anderes glauben machen will, keine Jahreszeit beginnt normalerweise von heute auf morgen, das Yin des Winters zieht sich langsam, aber stetig zurück) – zugegebenermaßen fällt es wohl in unseren (Groß-)Städten den Menschen schwerer, die bereits stattfindenden Veränderungen mangels Naturnähe wahrzunehmen. Aber auch dort gibt es Möglichkeiten, die Zeichen der Jahreszeit zu erkennen.

Wandlungsphase Holz - blühender Haselnuss-Strauch
Haselnuss-Strauch in voller Blüte (14. Februar, Am Himmel – Kobenzl)

Wer genau hinhört, kann auch am Gezwitscher der Vögel in den Parks erkennen, dass das Frühlingserwachen bereits seinen Lauf nimmt – speziell früh am Morgen hört man an den fröhlicher klingenden Lauten unserer gefiederten Freunde den Unterschied zum Gepiepse des Winters.

Innerhalb der 5-Wandlungsphasen wird der Frühling dem Element HOLZ zugeordnet. Die im Idealfall frei fließenden Energien dieses Elementes streben nach oben. Im Frühling kommen die Säfte und das Yang wieder an die Oberfläche zurück und machen sich in der Natur mit dem Austreiben der Bäume und Sträucher bemerkbar – auch der Mensch erlebt „Frühlingsgefühle“ und fühlt sich vitalisiert. Mit Ausnahme jener Menschen, bei denen die Energie des Holzes noch stagniert (meist bedingt durch den wenig im Einklang mit der Natur gelebten und sehr stressigen Alltag, und die sich somit noch im Winterschlaf befinden und den Übergang nur schwer bewältigen), eine Stagnation, welche auch oft in der allseits beklagten Frühjahrsmüdigkeit zum Ausdruck kommt – hierbei können übrigens regelmäßig in der ersten Hälfte des Frühlings durchgeführte Shiatsubehandlungen in Kombination mit der richtigen und an die Saison angepasste Ernährung wahre Wunder bewirken! Entgiften, Entschlacken und Reinigen von Innen her ist angesagt …

Das Element HOLZ (die Wandlungsphase Holz) symbolisiert den Aufbruch (es steht auch für die Lebensphase der Kindheit und Jugend eines Menschen!), die Flexibilität, Vitalität, Kreativität, Toleranz und Entscheidungsfähigkeit. Fließt die entsprechende Energie frei im Körper eines Menschen, so fördert sie die oben genannten Eigenschaften. Unter den Pflanzen gilt der Bambus als Sinnbild für diese Fähigkeiten. Die dem Element HOLZ zugeordneten Organe des Menschen sind die LEBER (=Yin-Organ) und die Gallenblase (=YANG-Organ). Die beiden arbeiten über die Meridianverbindungen eng zusammen. Die entsprechenden Emotionen Wut, Frustrationen, Kränkungen finden ihren volkstümlichen Ausdruck in „Mir ist eine Laus über die Leber gelaufen“ oder „Mir kommt die Galle hoch„!

Die Leber ist aus Sicht der TCM für die Geschmeidigkeit der Sehnen und Bänder, das Sehvermögen und die Speicherung des Blutes verantwortlich und auf der seelischen Ebene besonders anfällig für die zuvor genannten Emotionen.

Die Gallenblase hingegen ist unser Entscheidungsträger nach außen. Menschen mit einer harmonisch fließenden Leber- und Gallenblasenenergie werden einerseits flexibel in ihrem Denken und Handeln sein, andererseits Entscheidungen schnell, aber doch gut überlegt fällen können. Gerade dieser Funktionskreis ist im Körper von besonderer Wichtigkeit, regelt er doch nicht nur den Energiefluss in seinen eigenen Organen, sondern ist auch für die Harmonie in allen anderen Funktionskreisen verantwortlich.

Der Gallenblasenmeridian verläuft jeweils – in Zickzack-Linien –  auf der Seite des menschlichen Körpers, beginnend am Außenrand des Auges hinunter bis zur zweiten kleinen Zehe von außen. Beobachten Sie beispielsweise Menschen, die beim Gehen ständig stark zwischen rechts und links hin und her schwanken (ich meine damit keine alkoholisierten Zeitgenossen! 😉 ), so kann dies ein Anzeichen für eine gestaute bzw. unausgeglichene Gallenenergie sein – er schwankt zwischen ja/nein, links/rechts, so/oder so, kann sich eben nicht entscheiden (schicken Sie diese zum Shiatsu 😉 ) und kommt nicht so flexibel und entschlossen vorwärts wie jene Menschen, deren Leber- und Gallen-Qi frei und harmonisch fließt und die somit tatkräftig ihren Alltag bewältigen.

Wandlungsphase Holz Bambuswald
Bambus ist geschmeidig und flexibel – er richtet sich immer wieder auf

Tatkraft, Abenteuerlust und konsequentes Handeln zählen somit zu den Stärken des Holzelements. Druck hingegen wirkt sich negativ aus – Holz benötigt Freiraum zur eigenen Entfaltung und ein gewisses Maß an Autonomie. Ein ausgeglichenes Holzelement kann mit Wut und Zorngefühlen richtig umgehen und diese Emotionen in geregelte Bahnen leiten. Bei Menschen, die – wodurch auch immer – ständig unter Druck stehen, bei denen der sprichwörtlich „kleinste Tropfen das Faß zum Überlaufen bringt“ und dann in Wutausbrüchen regelrecht explodieren, sprechen wir in der TCM und als Shiatsu-Therapeuten von der sogenannten „Leber-Qi-Stagnation“ – auch hier können regelmäßig durchgeführte Shiatsubehandlungen für die entsprechende Entstauung und somit für einen gleichmäßigen, harmonischen Energiefluss im Funktionskreislauf „Leber-Galle“ sorgen, machen diesen das Leben wieder erträglicher (von ihren ebenfalls beklagenswerten Mitmenschen mal ganz abgesehen!).

Zu guter Letzt hat die Wandlungsphase HOLZ noch weitere seelische Aspekte: Der sogenannte Elementsgeist HUN (auch Wanderseele bezeichnet) ist vergleichbar mit dem westlichen Verständnis des Unterbewußten. Hierin werden emotionale Erfahrungen gespeichert. Diese gesammelten Erfahrungen machen erst überhaupt eine Planung möglich, die dann als Basis für neue Handlungen dient. Die Handlungen werden dann durch eine geschmeidige und starke Gallenenergie umgesetzt.

Ich freue mich, wenn ich Sie dabei mit Shiatsu durch einen wieder harmonisierten Energiefluss auf Ihrem aktuellen Weg unterstützen kann.

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück. …“

[Johann Wolfgang von Goethe, Faust I]

Auf dass wir heuer tatsächlich einen wunderschönen Frühling erleben dürfen und uns der allseits diskutierte Klimawandel keinen Strich durch die jahrtausende alten Wandlungsphasen macht …

Köstliche und leicht nachzukochende Rezepte aus der 5-Elemente-Küche, die Sie auf dem Weg in und durch den Frühling unterstützen, finden Sie hier auf meiner Rezepte-Seite …

Ich freue mich über deine konstruktiven Kommentare zu meinem Beitrag :-)